Angesäuerter Esser an Bratkartoffeln

Haben manche in der Gastronomie den Schuss nicht gehört? Oder den Knall? Oder was auch immer. Ich bin sauer (und das ist nicht der Schuss/Knall, den ich eben erwähnte, sooo wichtig bin ich auch wieder nicht). Richtig sauer. Da gibt es Restaurants, deren Webseite als erste Information gleich oben die Öffnungszeiten und die Telefonnummer beinhaltet und dann geht da keiner ran, wenn man da anruft, um beispielsweise Plätze zu reservieren. Okay, wenn sie das nicht mehr wollen, kann man das gut finden, aber dann sollten sie die Anrufer nicht ins Leere laufen lassen, sondern eine Ansage (Anrufbeantworter im “Nur Ansage”-Modus) schalten. Könnte ich mich drüber aufregen. Aber wenn die keine Gäste haben wollen …

Aber das war jetzt eigentlich nicht der Auslöser für meine Säuerniss. Vattern und ich tun ja was für die hiesige regionale Gastronomiebranche, indem wir 1x die Woche irgendwo Mittag essen gehen. Und wenn ich die Besuche der letzten Wochen zusammenfassen darf: Corona hat der Speisegastronomie nicht gut getan. Zwischen Level knapp gehalten und schlechter geworden war einiges dabei. Immerhin ist es auch – zumindest grundsätzlich – erfreulich, wenn man das erste Mal nach Corona in ein Restaurant kommt, dass eine neue Karte hat. Ich esse ja ungern mehrfach das gleiche Gericht, will einiges durchprobieren, und selten ist etwas wirklich so gut, dass ich nur deswegen in eine Gaststätte gehen würde. Da ich aber gestern außer der Reihe schon Restaurantfisch hatte, fröhnte ich heute meiner “Schnitzelliebe”. Es gab neulich anderswo auch schon mal eins.

Rollen wir diesmal die Geschichte mal von ihrem Ende her auf. Wir sehen eine schöne, reichliche Portion Bratkartoffeln:

Bratkartoffeln

Sie waren gut gewürzt und gut gekocht. Schlecht gebraten und schlecht portioniert ergänzt die Beschreibung. Denn einerseits war das die Hälfte von dem, was an Bratkartoffeln ursprünglich auf dem Teller lag und was somit wieder in die Küche zurück ging. Andererseits waren sie trotz der Bratstellen laberig weich, als ob sie nach dem Braten noch ein Weile unter einer Abdeckung verbracht hatten, so dass das ursprünglich knusprige wieder aufwich.

Vielleicht sind einige Köche auch nur alte Dialektiker, die dringend darauf hoffen, dass das 2. Dialektische Grundgesetz endlich mal wirkt: der Umschlag von Quantität in Qualität. Aber der Dialektische Materialismus ist zur Zeit nicht wirklich in Mode, so dass das wohl vorläufig nicht passieren wird. Das hat Friedrich Engels seinerzeit auch nicht vermutet, dass man seine Grundgesetze auch kulinarisch anwenden kann … Oder eben auch nicht.

Das ganze Gericht sah übrigens so aus:

Schnitzel mit Rahmchampignons und Käse überbacken, Bratkartoffeln.

Ihr braucht jetzt nicht zu wehklagen, dass doch so viele Bratkartoffeln gar nicht auf dem Teller sind. Doch! Die liegen alle unterm Schnitzel und weichen dessen mühsam knusprig gebratene Panade auf. Das Schnitzel war übrigens gar nicht mal so schlecht, für ein überbackenes Exemplar seiner Art. Und zwischendurch hörte ich auch mal ein Schnitzelklopfgeräusch aus der Küche, was eigentlich für sie spricht, wenn es denn wirklich eins war. Und es sieht mehr aus, als es ist, weil es recht dünn geklopft ist. Wer also auf das Eiweiß/Kohlenhydrat-Verhältnis bei seiner Ernährung achtet, für den zählt das Schnitzel eher auf die Kohlenhydrateseite. Und auch, wenn ich mit der Äußerung nerve: Es hätte kleiner sein können.

An dieser Stelle nochmal meine Idee, Höchstgrenzen für kcal pro Mahlzeit in Restaurants einzuführen. Es hat schon einen Grund, dass Ernährungswissenschaftler/innen immer wieder dringend empfehlen, nicht zu oft auswärts essen zu gehen. Die Gastronomie muss ihrer Verantwortung an der Gesundheit der Bevölkerung endlich mal gerecht werden. Außerdem hilft eine begrenzte kcal-Menge auf dem Hauptgerichtsteller, eine vernünftige Dessertkultur bzw. -karte zu entwickeln, was dem Umsatz sicher guttut. Maximal 800 kcal für ein Hauptgericht wären doch schon mal eine Maßnahme. Alternativ könnte man auch die Tellergroße begrenzen. Der oben abgebildete hätte auch wieder einer Torte gut Platz geboten.

Für mehr Hauptgerichte von Frühstückstellern!

Aber lasst uns versöhnlich schließen und zeigen, dass es auch positive Beispiele gibt. Nachzutragen ist das Essen von vor einer Woche und das würde man eigentlich als eher rustikal bezeichnen:

Bratkartoffeln mit SauerfleischSauerfleisch mit Bratkartoffeln auf einem relativ kleinen Teller, dessen wesentlicher Platz vom Glas mit dem leckeren Salat (Grünzeug, Radischen, Himbeerdressing, Tomate, …) belegt wird. Vorn sehen wir dann die knusprigen Bratkartoffeln (es geht also!) und ein sehr angenehmes Sauerfleisch, das zwar dankenswerterweise ohne Nitrate gefärbt nicht ganz so gewöhnlich rosa aussah, aber dafür umso besser schmeckte. Der Beweis dafür, dass man nicht jedes Fleischgericht (oder eben Wurst) umröten muss, was dem Geschmack durchaus guttut. Und das Auge gewöhnt sich schon noch dran, wenn die Zunge sagt, dass das lecker ist. Nur leider kauft eben das Auge ein und nicht die Vernunft.

Aber das Sauerfleisch war gut, beispielgebend, auch und vor allem für Fleischermeister.

Sonntag, 04.10.2020

Beim heutigen Mittag musste ich ein wenig an diesen einen Tweet denken, den ich neulich mal auf Twitter sah:

Mit einer derartigen Maske liefen ein Teil der Servicekräfte rum. Beim Sprechen kondensierte ein wenig von der Feuchtigkeit des Atems an der Plastikscheibe, vermutlich sammelt sich das dann und tropft irgendwann runter. Gut, dass wir kurz nach der Beginn der Öffnungszeiten da waren, bis zum Servieren des Essens konnte sich hoffentlich noch keine tropfenfähige Menge ansammeln.

Sauerfleisch mit BratkartoffelnHeute ging ich meinen fleischlichen Gelüsten nach. Nachdem der gestrige Tag eher kurzkettigkohlenhydratlastig war, war die angenehme Säure des Sauerfleisches eine willkommende Abwechslung. Verbunden mit der relativen Fettarmut waren die Bratkartoffeln auch nicht so schlimm. Im Gegenteil: Trotz fehlender sichtbarer Bratspuren waren sie knusprig und sehr wohlschmeckend, was auch an der angenehmen Butternote lag, die ihnen mitschwang. Auch der kleine Gurkensalat erwies sich als knackig und lecker. Neulich hatte ich da mal einen fertig gekauften probiert, da war der heute Mittag aber besser (ausgewählt).

Der Service war wie immer super, die Getränke kalt, wenn sie kalt zu sein hatten und heiß bei Heißgetränken. Von unabhängiger dritter Seite* wurde mir auch noch das Rumpsteak sehr empfohlen, da es aber in den nächsten Stunden/Tagen noch ein Rib-Eye-Steak gibt (reift schon im Kühlschrank), habe ich es diesmal noch nicht probiert. Aber der nächste Besuch mit dem schönen Ausblick kommt bestimmt.

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*) heutige, saugkompressenverklebende Schwester des Pflegedienstes

Sauerfleisch mit Bratkartoffeln (06.07.2019)

Einem geschenkten Gaul soll man ja sprichwörtlich nicht ins Maul schauen, aber zum einen habe ich was zurück geschenkt und zum anderen war auch kein Pferd anwesend.

Aus Anlass eines Anlasses war ich zum Mittag eingeladen und wählte mir von der Karte das Sauerfleisch mit Bratkartoffeln. Etwas Remoulade und Bohnensalat waren auch noch anwesend.

Die Bohnen waren auf den Punkt gegart und quietschten auch nicht beim Essen. Das Sauerfleisch war richtig gut und die Bratkartoffeln noch viel besser. Fast perfekt möchte man meinen, wenn nicht das sprudelige Begleitgetränk nicht aus einer schon länger geöffneten Flasche gewesen wäre. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Ich soll ja eigentlich auch keine Cola trinken, meint meine Hausärztin. ;-)

Dazu gab’s einen schönen Blick über den rauen See und interessante Gespräche mit den entfernten Anverwandten. Ein schöner Samstag Mittag.