Gefülltes Rührei

Ein typischer Fall von Rezeptentwicklung während des Kochens. Eigentlich sollte es eine mediterran angehauchte Hühnerbeinpfanne werden, aber leider stellte ich fest, dass ich bei den Hühnerbeinen das falsche MHD im Hinterkopf hatte, das heute schon ein paar Tage drüber war. Normalerweise ist das ja nicht DAS Entsorgungskriterium, aber die Packung war zusammengezogen und nach dem Öffnen anrüchig. „Mist“, wie Bernd sagen würde.
Nun galt es zu improvisieren. Die ursprünglich eingeplanten Paprika rot und gelb legte ich beiseite und durchforstete den Kühlschrank. Da fanden sich noch zwei Würstchen im Wienerformat. Es waren aber keine, sondern welche mit Geschmack: Debreziner (oder so ähnlich), mit etwas Pfiff. Sollten nur Wiener zur Verfügung stehen, kann man mit etwas Chili oder scharfem Paprika noch nachpfeifen.
Die Würstchen habe ich in kleine Stücke geschnitten und angebraten, dazu kamen noch kleingeschnittene Selleriestangen. Die hatte ich schon für die Hühnerpfanne zerkleinert und die mussten jetzt verarbeitet werden. Dazu kam noch eine klein geschnittene grüne Paprikaschote und für den Flüssigkeitshaushalt in der Pfanne eine gehackte Tomate.
Wo das Gericht hingehen sollte, war mir noch nicht bewusst, aber etwas Salz und Pfeffer zur Würze schaden ja nie. Da ich kurz in Richtung Nudelsoße dachte, kam noch ein Schuss Geflügelbrühe dran, die ich zufällig frisch da hatte. Aber so richtig toll fand ich es noch nicht.
Als dann noch die Eier ins Blickfeld kamen, war das Ziel klar: gefülltes Omelett. Schnell verquirlte ich drei Eier und verteilte sie in der Pfanne. Nun war entweder die Pfanne für 3 Eier zu groß oder der Inhalt durch die Brühe zu flüssig. Das „Omelett“ sah komisch aus. Da es auch noch nicht ganz gestockt war, kam ein Löffel zum Einsatz.
Gefülltes Rührei
Und fertig war das gefüllte Rührei. Die Frittata á la A. Nobel (wer den versteht, ist gut!).
Da ich zum Schluss noch in der Pfanne das klein gehackte Grünzeug von den Selleriestangenspitzen untergemischt hatte, erübrigte sich beim Anrichten eine weitere Begrünung.
Gefülltes Rührei
Der leichte Pfiff durch die leicht scharfe Wurst war sehr angenehm, durch die Brühe war alles recht saftig. Wie sagte man früher im Kochstudio eines bekannten Würzeherstellers immer so schön: „Das machen wir mal wieder.“

Sonntag (25.10.2020) u.a.

Heute gibt’s mal drei Essensbilder. Zum einen schulde ich noch das vom letzten Sonntag, dann das von heute und ein kleines Intermezzo mit einem großen Fragezeichen.
Letzten Sonntag hatte ich im Vorfeld eher ein ambivalentes Gefühl. Von der Erfahrung früherer Besuche und ob der recht umfangreichen Speisekarte erwartete ich einen zwar recht gut zubereiteten, aber hohen Convenience-Anteil. Letztendlich war es das auch, aber ich weiß nicht, ob es an meiner Auswahl des Gerichts, meinem wegen Frühstücksfreiheit etwas höherem Appetit oder der hinzukommenden Sonne von außen lag, es war einfach lecker.
Neuseeländisches Lammfilet mit Brokkoi und PommesZarte Lammfilets, gut gegarter Brokkoli, reichlich Knoblauchsoße, Pommes, die auf dem Punkt waren. Das Salatbouquet war gut ausgewählt (also eher der Hersteller), kam aber aus’m Eimer, und die Hollandaise war eine bessere (also eher Lukullus statt Thomy). Im Großen und Ganzen eher etwas viel, aber gut.
Gut zubereitet war auch das Intermezzo, das kann man ihm nicht absprechen, aber dann folgt das große ABER.
Schnitzel/PommesSchnitzel mit Pommes. Von der Zubereitung her waren die beiden super. Knusprig außen, zart bzw. weich innen. Beim Ketchup würde ich nochmal andere Marken ausprobieren, die Majo ging. Wenn man sich dann aber überlegt, dass das alles 4,50€ gekostet hat, darf die Frage gestattet sein, warum hier wieder mit sowas unoriginellem wie derartigem Industriefraß nichtnachvollziehbarer Herkunft versucht wird, ein Geschäft aufzubauen. Lernt denn niemand aus der Geschichte?!
Auf dem Platz, wo der Imbisswagen steht, standen schon andere und er wird auch genauso scheitern wie seine Vorgänger bzw. Vorsteher. Denn auch die boten bereits unoriginelle Industrieware an, was sich auf Dauer nicht durchsetzt. Es wird immer Menschen geben, denen die Qualität ihrer Ernährung und die Herkunft egal sind und die nur nach dem Preis gucken, aber das ist nicht zukunftsträchtig. Zumal es doch auch Beispiele gibt, die zeigen, dass mit handgemachtem Essen (und ein bisschen Hilfe) und immer mal wieder einer neuen Idee ein dauerhaftes Geschäft möglich ist. Und man kann vom Imbisswagen aus sogar dieses Beispiel sehen … Und wie lange gibt es jetzt das Suppenauto schon, bei dem man für 4,90 € 400ml Suppe erhält (vier pro Tag zur Auswahl, davon drei die Woche durch und eine täglich wechselnd)?
Es gibt einige Lebensmittelhersteller in der Stadt, Handwerksbäcker, -fleischer, engagierte Bio-Gemüsehändler, Fischzüchter, da kann man sich doch mal zusammensetzen und eigene Gerichte entwickeln, die man in einem Imbisswagen mit Kühlschrank und Fritteuse anbieten kann. Man muss ja nicht gleich in den Gourmet-Himmel abheben, aber man kann bspw. Pommes auch selber aus Kartoffeln schneiden …
Apropos Gourmet. Schnitzel mit Pommes geht auch anders, ist dann aber auch unwesentlich teurer, aber das liegt sicher am Ambiente. 😉
Rotwildschnitzel an SüßkartoffelpommesAllein, wenn man das güldene Besteck sieht … Naja, das vergüldete. 😉 Des Messers Gold sah man doch ein wenig an, dass es gut geputzt wurde. Aber Scherz beiseite. Das Schnitzel stammt vom Rotwild und wurde nach „Wiener Art“ zubereitet. Wobei sich die Frage stellt, ob man es, wenn es denn vom Hirschkalb käme, es nicht ggf. auch Wiener Wildschnitzel hätte nennen dürfen. Aber, sei’s drum. Es hat geschmeckt. Für mich etwas überraschend, aber durchaus positiv, waren die Süßkartoffelpommes: knusprig außen und innen sehr cremig. Als Cremig wurde auch der Gurkensalat angepriesen, war er wohl mit Sahne angemacht. Und Dill. Und lecker. Und der Beweis, dass man Salatbouquet auch selber machen kann und es ist auch gar nicht schwierig.
Alles in allem ein wohlschmeckendes Gericht, das jedem Fleischfreund zu empfehlen ist. Gegenüber gab’s übrigens was mit Kräuterstampfkartoffeln. Die waren auch recht lecker. Mal ganz zusammenhanglos erwähnt.

Klar wie Wasser

Mir ist in der Werbung – mal wieder – etwas aufgefallen. In dem Fall war es ein stilles Wasser aus der Vulkaneifel. Laut Webseite hat das Wasser sogar Bio-Qualität, was ein hanebüchener Marketing-Quatsch ist, genau wie die Bezeichnung als „Premiummineralwasser“. Gemessen an der Mineralisierung spüle ich meine Kacke mit höherwertigem Wasser runter als hier über hunderte Kilometer angekarrt werden muss, vermutlich in Lkws, die mit Bio-Diesel fahren.
Machen wir doch mal einen kleinen Vergleich. Dabei ignorieren wir geflissendlich, dass Leitungswasser öfter kontrolliert wird und strengere Grenzwerte einzuhalten hat als Mineralwasser, teilweise gibt es für Leitungswasser sogar Grenzwerte, die es wohl bei Mineralwasser nicht gibt. Aber, wir wollen Zahlen sprechen lassen.
Fangen wir beim Kalzium an, wichtig für Knochenbau und Zähne. Im erwähnten Mineralwasser sind da 12 mg/l drin, im hiesigen Leitungswasser 96/102 mg/l. Beim Magnesium liegt das Verhältnis bei 8 mg/l zu 12,3/16,2 mg/l. Natriumarm sind sie übrigens beide, was durchaus positiv zu bewerten ist: 12,0 zu 12,6/25 mg/l. Beim Kalium-Wert punktet das Mineralwasser: 6 zu 2,4/4 mg/l.
Teetrinker sollten mal versuchen, ihren Tee mit dem Mineralwasser zuzubereiten. Dabei erübrigt sich der dämliche „Wasserfilter“, der außer Kosten auch nicht viel bringt. In dem Zusammenhang verstehe ich auch manche Argumentationskette von Herstellern für Installationsmaterial nicht, die erst das Trinkwasser filtern und dann wieder neu mineralisieren. Das ist ein ähnliches Prinzip wie manche Getränkehersteller handeln, die Mineralwasser demineralisieren, um dann ihre Mineralienmischung hinein zu tun und es als (minderwertiges) Tafelwasser zu verhökern, teilweise teurer verkauft als das ernährungsphysiologisch wertvollere Mineralwasser. Und auf jeden Fall teuerer als Leitungswasser, dass von Natur aus identisch mit Mineralwasser ist, nur nicht so offensiv und kostentreibend vermarktet wird.
P.S.: Andere „große“ – sprich: namhafte – stille Mineralwässer sind kaum besser. So stellt sich immer wieder und wieder die Frage, warum man stilles Mineralwasser in Flaschen kaufen soll, das von mehr oder weniger weit her herantransportiert wurde, wenn jeder eine Quelle für ein entsprechendes Wasser bei sich in der Wohnung hat.
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Quelle: Mineralwasser, Neubrandenburger Leitungswasser

Sonntag, 11.10.2020

Lange habe ich den Werbespot für ein Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr gesehen, aber als ich die Speisekarte des heutigen Mittagsrestaurants sah, musste ich wieder dran denken und habe dann mal die natürliche Quelle für Vitamin B12 und Eiweiß gewählt.
Kalbsleber mit Apfel-Zwiebel-Gemüse und BratkartoffelnBei flüchtigem Blick sieht es aus, als ob da eine doppelte Portion Bratkartoffeln drauf ist, dem ist aber nicht so. Die wirklich guten Erdäpfel aus der Pfanne liegen nur auf der linken Seite, rechts sind dann die richtigen Äpfel, zusammen mit Zwiebeln, die wunderbar zu den Kalbsleberstreifen in der Mitte passten. Letztere waren auch wunderbar gebraten und damit eine hervorragende Vitamin B12-Quelle ohne alle Chemie aus der Ampulle. Naja, und Eiweiß liefert die Leber sowieso, die Kartoffeln tun ihr übriges.
Wer sich also schlaffi fühlt und mangelndes B12-Vitamin als Ursache hält: Öfter mal was mit Innereien essen, die echten Vitamin-B12-Bomben!

Klassisch Paleo

Manchmal schlägt der Urmensch bei mir durch und dann gibt’s Paleo. Dieses Mal ist es schon eine Weile her, aber ich habe die Bilder gemacht, also muss ich sie auch verarbeiten … 😉 Außerdem dienen sie als Referenz, da sie in der Sendung „RundumGenuss“ auf NB-Radiotreff 88,0 vom 11.10./13.10. erwähnt werden. So kann man sich auch selber unter Druck setzen. Aber ich musste ja auch erst wieder aus der Urmenschen-Zeit raus und warten, bis das Internet erfunden wurde.
Manchmal sind die einfachen Sachen doch die besten. Ein schönes Stück Fleisch, zwei frische Köpfe Salat und ein paar Kleinigkeiten, die man so im Hause hat: Essig, Öl, Salz, Pfeffer, Senf und eine Schalotte. Und schon ist ein sehr vollwertiges, sättigendes und nahrhaftes Abendbrot erschaffen.
Rib-Eye-Steck mit SalatDas Steak habe ich unter größtmöglicher Hitze in der Pfanne angebraten und dann im Ofen bei 85°C weiterziehen gelassen. Der Salat ist gewaschen und trocken geschleudert.
Rib-Eye-Steck mit SalatGanz naturell. Beides. Noch. Das Rib-Eye-Steak (schönes Fettauge!) bekam nur noch eine leichte Salzgabe oben drüber, für den Salat versuchte ich mich an einem Dressing.
Rib-Eye-Steck mit Salat und DressingIn einem Gefäß mit dicht schließendem Deckel habe ich Essig, Öl, Salz, Pfeffer, eine klein geschnittene Schalotte und ein Teelöffel Dijon-Senf (es geht auch jeder andere) erst ein wenig verrührt und dann kräftig durchgeschüttelt. Der Senf hatte wohl auch noch ein paar Kräuter mit dabei. Das habe ich dann alles über dem Salat verteilt. Einfach, aber lecker (neben dem Bild stand noch der restliche Salat in der Schüssel. Vermutlich war nicht nur das Salatvolumen größer als das Steak, sondern auch das Salatgewicht (und das will was heißen).
Beim Dressing muss man etwas vorsichtig mit dem Essig sein. Standard ist ja 3 Teile Öl auf 1 Teil Essig. Solche Standards haben durchaus ihren Sinn, vor allem, wenn man zwei verschiedene Essige (Apfel- und Traubenessig), aber nur eine Ölmischung. Sprich: Es war etwas sauer, und dass trotz des Zuckers, den ich auch noch mit ins Dressing gab.

Sonntag, 04.10.2020

Beim heutigen Mittag musste ich ein wenig an diesen einen Tweet denken, den ich neulich mal auf Twitter sah:

Mit einer derartigen Maske liefen ein Teil der Servicekräfte rum. Beim Sprechen kondensierte ein wenig von der Feuchtigkeit des Atems an der Plastikscheibe, vermutlich sammelt sich das dann und tropft irgendwann runter. Gut, dass wir kurz nach der Beginn der Öffnungszeiten da waren, bis zum Servieren des Essens konnte sich hoffentlich noch keine tropfenfähige Menge ansammeln.
Sauerfleisch mit BratkartoffelnHeute ging ich meinen fleischlichen Gelüsten nach. Nachdem der gestrige Tag eher kurzkettigkohlenhydratlastig war, war die angenehme Säure des Sauerfleisches eine willkommende Abwechslung. Verbunden mit der relativen Fettarmut waren die Bratkartoffeln auch nicht so schlimm. Im Gegenteil: Trotz fehlender sichtbarer Bratspuren waren sie knusprig und sehr wohlschmeckend, was auch an der angenehmen Butternote lag, die ihnen mitschwang. Auch der kleine Gurkensalat erwies sich als knackig und lecker. Neulich hatte ich da mal einen fertig gekauften probiert, da war der heute Mittag aber besser (ausgewählt).
Der Service war wie immer super, die Getränke kalt, wenn sie kalt zu sein hatten und heiß bei Heißgetränken. Von unabhängiger dritter Seite* wurde mir auch noch das Rumpsteak sehr empfohlen, da es aber in den nächsten Stunden/Tagen noch ein Rib-Eye-Steak gibt (reift schon im Kühlschrank), habe ich es diesmal noch nicht probiert. Aber der nächste Besuch mit dem schönen Ausblick kommt bestimmt.
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*) heutige, saugkompressenverklebende Schwester des Pflegedienstes

Protein und Kaffee

Was hat nun Protein mit Kaffee zu tun? Die einfachste Lösung wäre, wenn es Käsekuchen zum Heißgetränk gäbe. Café au lait wäre auch eine Variante, wenn auch mit weniger Eiweiß. Oder der Autor verbindet nur zwei Themen, die allein zu kurz wären, um einen Artikel zu füllen. Manchmal ist es zu einfach.
Protein
Proteinerhöhte Lebensmittel stehen oft in der Kritik, dass sie für den überhöten Preis gar nicht so viel mehr an Protein bringen. Mal von ihrer grundsätzlichen Sinnlosigkeit für 99% der Bevölkerung abgesehen. Meist nehmen wir mit einer normalen gemischten Kost schon übermäßig viel Eiweiß auf.
Mit leichter Verwunderung in den Augen nahm ich beim letzten Wochenendeinkauf zwei Produkte wahr, die im Kühlregal nebeneinander standen, vom gleichen Hersteller waren, die gleichen Geschmack trugen sowie den gleichen Preis und die gleiche Menge hatten. Der große Unterschied bestand auf den ersten Blick nur darin, dass eines davon mit „High Protein“ gelabelt war und der Blick in die Nährwerte (6,6 g zu 14 g) den Unterschied auch signifikant zeigte. Erreicht wurde der lt. Zutatenliste mittels Zugabe von Milcheiweiß, was bei einem Milchprodukt passend erscheint. Das High-Protein-Produkt schien beim Essen auch etwas cremiger, die „normale“ Variante wirkte flüssiger. Vermutlich bewirkte das zusätzliche Eiweiß diesen spürbaren, aber doch letztendlich geringen Unterschied.
Beim genauen Etikett-Studium fiel mir dann noch ein Unterschied zwischen beiden Produkten auf. Damit meine ich übrigens nicht, dass im normalen Vollei drin ist und im eiweißreicheren nicht. Leider wurde bei letzterem auch der Zucker durch Süßstoff ersetzt, was nicht nötig getan hätte. Beiden Varianten hätte ein weniger an Süße und dafür ein mehr an Geschmack gut getan, aber was will man von ausgelutschten Industriezutaten schon erwarten.
Kaffee
Als bekennender Freund kalter Milchkaffeegetränke – ich vermute, dass ich es auch im Blog schon ein paar mal thematisierte – muss ich mal wieder meinen Frust loslassen. Der hat nichts damit zu tun, dass der hohe Zuckergehalt dazu geführt hat, dass ich mir meinen Milchkaffee mehrheitlich selber koche und nicht süße. Beim Niederschreiben hatte ich die Idee, mal zu probieren, ob ich einen gekauften Milchkaffee mit meinem zuckerfreien strecke und sehe, was dabei rauskommt. Dazu dann ggf. später mehr.
Wenn man also weniger von etwas trinkt, kann man darauf achten, hier dann auch das bessere zu nehmen. Gemeinhin hieße das, auch die teuere Variante als 1. Wahl anzusehen. Bei den kalten Milchkaffeegetränken meist (in meiner empirischen Untersuchung eigentlich immer) ein Irrtum. Da ich beim oben bereits erwähnten Einkauf auch eine neue Variante eines Milchkaffeegetränkes entdeckte, musste ich auch das mal testen und wurde mal wieder bestätigt.
Mein Gleichgewichtssinn scheint sowieso nicht der allerbeste zu sein. Im normalen Leben ist das nicht weiter spürbar, oder ich habe mich schon daran gewöhnt (es war immerhin schon immer so). Dass jetzt Milchkaffees der Sorte „Balance“ da helfen, habe ich aber auch nicht wirklich erwartet. 😉 Sie werden aber auch keine Chance dazu bekommen, da ich sie nicht wieder kaufen werde. Vielleicht wirkt es aber doch, weil es schneller das Portmonee leert und damit das Gleichgewicht herstellt, da die Geldbörse meist nicht entlang der Längstachse des Körpers getragen wird.
Obwohl aufgebrühter Kaffee bei der Herstellung benutzt wird (bei vielen hochpreisigen Varianten kommt gern löslicher Kaffee oder Kaffeeexrakt zum Einsatz), ist es mit dem Geschmack nicht weit her. Das mag an den gleichen Gründen liegen, wegen denen die Labels „Lactose Free“ und „Reduced Calories“ auf der Schauseite prangen. Letzteres wurde unter anderem durch eine gewisse Fettreduktion erreicht. Die Zutatenliste überraschte außerdem mit zwei Süßstoffen statt Zucker und Laktose … Hä? Nachdem ich mein Handy als Lupe missbraucht habe, stellte sich der Aufdruck als Laktase heraus. Das Label der Vorderseite stimmte also doch. Aber bei dem Kleingedruckten kann man sich schon mal verlesen.
Es gibt also eigentlich keinen Grund, Milch in kleinen Plastebechern aus der Schweiz zu importieren. Warum das überhaupt gemacht wird, darf weiterhin kritisch hinterfragt werden. Immerhin ist Milch als Hauptbestandteil dieser Getränke ein derartiges Allerweltsprodukt, das lange Transportwege für das fertige Produkt eigentlich überflüssig sein sollten. Andere Weltkonzerne kriegen das doch auch hin, verschicken aus der Zentrale nur den Sirup der geschmacksgebenden Zutaten und lassen das regional verdünnen und abfüllen (auch wenn’s hier auch schon Zentralisierungstendenzen gibt).
1,63 € habe ich übrigens für die 230 ml Milchkaffeegetränk (offiziell: Milchmischerzeignis) bezahlt. Im Discounter. Im gleichen Laden gibt es unter einer der Eigenmarken der Kette Milchmischgetränke im 330-ml-Behältnis für knapp einen Euro weniger. Mit kürzerer Zutatenliste, ebenfalls ohne Kaffeeextrakt o.ä. sondern mit richtigem Kaffee; und ohne Aroma- oder Süßstoffe schmecken die Varianten besser als so manch teueres Produkt mit bekannten Marken. Und die Hausmarken mehrerer Discounter (und auch einiger Supermärkte) kommen alle aus der gleichen Molkerei mit den beschriebenen positiven Eigenschaften und bilden einen empirischen Nachweis, dass teuer nicht immer gut heißt.

Sonntag, 27.09.2020

Fangen wir heute mal mit dem Bild an.
Saiblingsfilet an Kartoffelpüree
Bis hierhin war nämlich noch (fast) alles in Ordnung. Netter Service, schnelle Getränke, und ein Gericht aus dem Baukasten: Fischsorte auswählen, teilweise auch die Zubereitungsart, Beilage dazu. Sowas wünscht man sich eigentlich häufiger. Wenn der Teller dann auch noch richtig herum serviert worden wäre … Aber das wäre jetzt Jammern auf hohem Niveau.
Natürlich sind die von der Küche durchgestylen Angebote mit feiner Abstimmung aller Komponenten auch ein Erlebnis, aber in der weit verbreiteten rustikalen Gastronomie nicht immer vonnöten. Wie oft habe ich schon an Nachbartischen erlebt, dass ein Gericht nicht gewählt wurde, nur, weil die Sättigungsbeilage nicht gefiel … Kundige Gäste fragen dann natürlich nach Variationsmöglichkeiten, die es ja meistens gibt.
Aber zurück zur Aktualität. Da ich beruflich viel mit Sozialpädagog/inn/en zu tun habe und sowas abfärbt, fange ich mit dem Positiven an: Der Fisch war lecker. Das sind übrigens Saiblingsfilets auf dem Teller. Eins hatte zwar eine Spur zuviel Salz abbekommen, aber es ging noch.
Das Salatbouquet ertrank ein wenig im Dressing, von dem ich behaupten würde, es war dasselbe* wie letzten Sonntag. Dafür, dass es welke Blätter kaschierte, reichte es aber nicht. Und die langen Rucola-Stiele machten eine unfallfreie orale Aufnahme auch nicht einfacher.
Kommen wir zu dem Teil, dass ich als Kartoffelpüree bestellt hatte. Dass es sich Gaststätten überhaupt erlauben, bei Gerichten in der 15-€-Klasse aufgequollene Kartoffelflocken zu servieren, was sich nur schlechte Kantinen gönnen sollten, will nicht in meinen Kopf. Bildlich und wörtlich. Da ist es nur erfreulich, dass es in der Region mehrere, alternative Anlaufstellen für gute Fischgerichte gibt.
Wie kann man nur so mit seinem Renommee spielen?! Zumal vorgekochte Kartoffel offensichtlich im Haus waren: Vattern hatte Bratkartoffeln als Beilage. Meine Begeisterung über den sehr appetitlichen Anblick schwand aber schnell, nachdem ich mich auch bei der übergroßen Portion bedient hatte (das „Püree“ war ja nicht genießbar und ging final wieder zurück in die Küche). Der Geschmack war in Ordnung (Was kann man mit Standardbratkartoffelgewürz schon falsch machen?), nur die Konsistenz hatte etwas von einer guten Pasta: al dente (im Sinne von dreiviertelgar). Wenn das nur bei einem Stück passiert wäre, wäre es nicht erwähnenswert gewesen. War es aber nicht.
Dafür zum Abschluss noch einen schönen Cappuccino. Dachte ich mir. Nach den Geräuschen aus Richtung des Kaffeeautomaten freute ich mich auf schönen Schaum und leckeren Caffé. Auf viel Schaum. Auf sehr viel Schaum. Wer schon mal die fast leere Flasche Kaffeesahne kräftig geschüttelt und dann den Inhalt in den Filterkaffee gegeben hat, hatte mehr Schaum auf dem Heißgetränk als ich heute. Das glich eher einem Cafe au lait, und für den war es geschmacklich auch gut, nur mein geliebter Cappuccino war es nicht. Das hatte ich in dem Haus auch schon anders – sprich: besser – erlebt.
Ob man eine derartige Zusammenfassung geben kann, weiß ich nicht, aber seitdem die Läden wieder etwas besser laufen lässt in manchen die Qualität zu wünschen übrig. Da bin ich mal gespannt, was nächsten Sonntag passiert. Der Ruf vom ausgewählten Restaurant ist gut.
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*) Natürlich war es im engeren Sinne nicht „dasselbe“, da wir in einem ganz anderen Restaurant waren und das Dressing vom letzten Sonntag nicht so üppig ausfiel und ich es aufaß.

Ein Versuch – so lala

Aber keine Angst, ich singe nicht. Das will keiner hören. Aber zum Thema: Garnelen. Ich esse diese kleinen Dinger ganz gerne. Ein Supermarkt in meiner Umgebung bietet ab und an die gekochte Variante in Aioli an. Knapp 4,50€ pro 100 g – ein teures Vergnügen, wobei ich mich des Eindrucks nicht verwehren kann, dass die Qualität langsam, sehr langsam etwas sinkt.
Dazu ein frisches Brötchen und ich bin glücklich.
Auch die panierten Knoblauchgarnelen eines bekannten Fischbraters gönne ich mir ab und an. Frisch frittiert ein Genuss, da muss man ggf. drauf zukommen. Die Dipps sind nicht so der Bringer, wobei ich auch schon schlechtere Knoblauch- und Cocktailsoßen gegessen habe …
Die besten aß ich mal bei einem Medientreff mit kaltwarmem Büfett, wobei der Caterer einen Mitarbeiter hinter einen Wok gestellt hatte, der die Garnelen frisch zubereitete. Es war das erfolgreichste Gericht des Abends, es mussten wohl noch welche nachgeordert werden. Allerdings gab es in nachfolgenden Veranstaltungen nie wieder dieses Gericht, was an der bekannten Sparsamkeit des Veranstalters liegen könnte. Die Garnelen waren wirklich sehr lecker und sehr erfolgreich. Und sie haben mich versaut.
Seit dem Abend weiß ich, wie gut sowas schmecken kann und alles andere, was ich bisher käuflich erwarb oder selbst zubereitete, blieb weit hinter diesen Garnelen zurück. Zumal schon meist die Rohstoffe nicht so aussahen, als dass aus ihnen sowas leckeres werden konnte. Neulich fand ich aber mal was im Kühlregal und dachte mir so: ‚Nagut, ich versuch es nochmal.‘
Nun ist aber die Vorlage schon recht lange her. Insofern ging es nicht darum, das besonders leckere nachzuempfinden (es war auch sehr puristisch), sondern einfach nur was leckeres auf den Teller zu bekommen. Da fängt man mit einer Pfanne, die warm wird, schon mal nicht falsch an.
Vieles beginnt mit einer leeren Pfanne, die erhitzt wirdDa das Meeresgetier sowieso nicht so heiß gebraten wird, kann man – auch des Geschmackes wegen – Butter mit ins Bratfett geben.
Etwas Butter in Öl anschwitzenIn etwas Sonnenblumenöl schmilzt da etwas Butter. Eine gute Basis für etwas wohlschmeckendes sind die nächsten zwei Beteiligten:
Zwiebel und Knofi anschwitzenEine Schalotte und ein Knoblauchzehe fanden, fein gehackt, den Weg in die Pfanne. Und wer sich fragt, was die beiden roten Fetzen da auf dem Bild sind: Eine Spur Chili wäre vermutlich eine gute Idee gewesen, aber in dem Fall war die Schote größer und milder.
Paprika dazugebenEine rote Spitzpaprika, klein gewürfelt, fand auch noch in die Pfanne und wurde etwas angeschmurgelt. Dann kam aber der Hauptdarsteller, also rückte erstmal alles etwas beiseite.
Garnelen dazu gebenDie marinierten Garnelen wurden dann auch angebraten. Da muss man nur aufpassen, dass das nicht zu lange passiert. Der Weg zu kleinen Radiergummies ist kurz. Deswegen wurde alsbald alles vermengt.
Alles gut vermischen und bratenSchön durchschwenken und vor sich hin braten lassen. Die Mariande der Garnelen gab etwas Flüssigkeit in die Pfanne, da ist nicht viel mit braten, aber angenehm warm wurde schon alles.
Und dann kann man auch schon anrichten.
Anrichten mit RingDa hilft, wenn nicht zu viel FLüssigkeit dabei ist, der Anrichtering. Und ein Tuch Küchenkrepp.
Kräuter nicht vergessenEtwas passendes Grünzeug gehört auch dazu. Dann muss nur noch der Ring weg.
Gebratene Knoblauchgarnelen mit PaprikaIch fand’s schick.
Gebratene Knoblauchgarnelen mit PaprikaDie Kräuter sind etwas konzentriert, aber beim Essen kann man ja noch mal durch die Soße fahren und hat dann alles an der Garnele. Ein wenig schade fand ich, dass ich kein Brot im Hause hatte. Zum Schluss blieb noch etwas von der Soße auf dem Teller. Dafür braucht es Brot! Ich muss mir wohl doch angewöhnen, ein paar TK-Brötchen als Reserve einzulagern. So lernt man immer noch was dazu.

Deutsch-italienische Fusion, nördlich

In einem Kommentar in einem anderen Kochblog schrieb ich den weisen Satz, dass man die Küchenklassiker kennen sollte, um daraus neues zu kreieren. Ich weiß nicht, wo ich überall Anlehnungen genommen habe, vielleicht fällt Euch ja noch was auf. Bewusst sind mir im wesentlichen zwei Gerichte:

  • Risotto
  • Birnen, Bohnen und Speck

Allerdings ist kein Speck und auch kein Reis im Gericht. Vom Risotto kommt wahrscheinlich eher nur die Kochtechnik, da beim Kochen ständig gerührt werden musste, weil sonst alles angesetzt hätte. Als Anspielung auf die deutsche Küche kamen dafür Kartoffeln zum Einsatz, mit denen ich ja schon mal sowas wie ein Risotto gekocht hatte. Und der Speck bekam auch einen würdigen Ersatz.
Knackwurst anbratenAngefangen hat alles mit einer Art deutscher Salsiccia: Knackwurst. In dem Fall die Variante mit Knoblauch. Die wurde in Sonnenblumenöl angeröstet. Währenddessen wurde geschnibbelt.
Kartoffelstücke hinzugebenDas bezog sich auf die Kartoffeln, die in relativ kleine Würfel geschnitten wurden. Ich hatte zufällig mehlig und fest kochende Kartoffeln im Haus, die ich gemischt habe, um dem Risotto-Erlebnis etwas näher zu kommen. Alternativ empfehle ich nur mehlig kochende Kartoffeln, die ich dann unterschiedlich groß würfeln würde.
Kartoffelwürfel und Knackwurst anbratenDie Kartoffelwürfel habe ich auch ein wenig mit anrösten lassen. Das ginge evtl. auch etwas intensiver, was dann schönere Röstaromen gibt. Wer’s mag.
Milch aufschüttenAufgeschüttet habe ich alles mit Milch. Etwas Brühe, vor allem zum späteren Zugeben, wäre auch eine schöne Idee gewesen. Wasser tut es aber auch, dann kann man kräftiger würzen. Und jetzt geht das Rühren beim Kochen los, sonst setzt es an. Jedenfalls hatte ich das Gefühl.
Pfeffer und BohnenkrautEtwas Pfeffer und Bohnenkraut kommen zur Würzung mit in den Topf, beim Salz bin ich vorsichtig, Knackwurst sei dank.
Kartoffelrisotto mit KnackwurstUnd dann rühren, rühren, rühren.
Cremiges Kartoffelrisotto, ständig gerührtWenn es zwischendurch zu cremig wird, habe ich etwas Wasser zugegeben. Brühe wäre auch eine Idee.
Während die eine Hand rührt und die andere den Topf festhält, nimmt die dritte zwei Birnen, die dann mit einem Messer, das die vierte Hand hält, klein geschnitten werden. Wenn die Kartoffelstücke, die geblieben sind, gar sind, kommen die Birnenstücke hinzu.
Birnenstücke zugebenUnd auch die werden eingerührt.
Rühren nicht vergessenJetzt muss ich Euch gestehen, dass ich den ersten Arbeitsschritt unterschlagen habe. Von dem hatte ich kein Foto. Aber ich vermute mal, dass ihr Euch Bohnen in kochendem Salzwasser beim Blanchieren gut selber vorstellen könnt.
Blanchierte Bohnen zugebenDie großen Bohnen hatte ich in mundgerechte Stücke geschnitten. Das sichtbare Grünzeug ist auch hier Bohnenkraut, das im Blanchierwasser mit schwamm.
Birnen-Bohnen-Speck in Kartoffelrisotto-SuppeAuch die Bohnen werden untergerührt, dabei alles nochmal aufgekocht und dann abgedeckt ziehend langsam abkühlen gelassen. Ich habe noch mit etwas Salz abgeschmeckt, die Kartoffeln entziehen ihrem Drumrum doch sehr viel vom NaCl.
Abgefüllt für die MittagsversorgungDrei Vorratsschälchen konnte ich mit dem Pamps füllen. Wie es genau schmeckt, muss ich in den Kommentaren nachtragen. Das erste Mal gibt es eine Portion erst heute Mittag.
Soweit meine Anlehnung an „Birnen, Bohnen und Speck“. Eine Bemerkung sei noch dazu gestattet. Von diesem, wohl recht norddeutschen Gericht habe ich schon öfter was gehört, konnte mir aber nie wirklich etwas darunter vorstellen. Dann habe ich es einmal im Fernsehen gesehen, und fand es dort sehr langweilig zubereitet. Eine gekochte Birne, ein paar gekochte Bohnen und ich glaube, der Speck war auch gekocht, alles fein säuberlich getrennt auf einem Teller angerichtet … Das lockte mich nicht.
Ob meine Interpretation jetzt unbedingt besser ist, wird sich zeigen. Puristen (was Standards betrifft, bin ich ja selbst einer) werden mich verteufeln, das als „Birnen, Bohnen und Speck“ zu bezeichnen. Aber ich mache es auch nicht, ich habe nur bei diesem kulinarischen Standard eine Anlehnung genommen.