Kraut und Rüben

War es Zufall, originelle Idee oder einfach nur eine falsch zusammengebaute Speisekarte? Aber wenn man den kulinarischen Katalog öffnet und er beginnt mit der Getränkekarte, dann kann man das auch als Wink mit dem Zaunpfahl verstehen. Wobei: Die Getränkekarte konnte sich durchaus sehen lassen, fand man darin nicht die übliche Mischung sondern auch – neben den Standards – eine Reihe Exoten, die neugierig machen und wiederholte Besuche zum Abarbeiten der geistreichen Getränke nahe legen. Das geht über Gin á la Monkey 47 über Cider bis hin zu hausgemachten Limonaden. 

Findet man dann die Speisekarte, zeigt die sich als bunte Mischung zahlreicher, aber übersichtlicher und Genuss versprechender Gerichte. Man soll ja mit Klischees und Verallgemeinerungen vorsichtig sein, aber: da ist für jeden was dabei. Und das in mehrfacher Hinsicht. Die verschiedensten Geschmacksrichtungen werden bedient – auch kasteiende – und auch die Preisbandbreite ist beachtlich. Nehmen wir mal nur die Hauptgerichte (oder das, was man darunter verstehen kann), so kann man für knapp 10€ satt werden, aber auch für knapp 30€. Mittagsgerichte gibt es sogar unter 7€. 

Ein schöner Abend nach einem gelungenen Tagwerk brachte uns ins Restaurant. Es fand sich auch noch ein Tisch, und so konnte das Tafeln beginnen. Es war wirklich ein schöner Abend, die Sonne schien von einem wolkigen Himmel und ich saß mit Blick auf unsere Konzertkirche, die herrlichst beschienen wurde. Das sah sehr angenehm aus, sollte sich später aber noch als kleiner Nachteil erweisen. Die anderen hatten eher einen Blick ins Restaurant und konnten so das Ambiente genießen, dass ich nur beim Betreten kurz wahrnahm. Angenehm, vielleicht etwas kühl, aber nicht ungastlich. Leicht irritierend war eher ein Luftzug, der durch die Lüftungsanlage verursacht wurde. Aber ein kleines Stühlerücken löste auch das Problem. Das ist der Vorteil, wenn man an einem runden Tisch Platz genommen hat. 

Aber der Service lief, also ging zügig, da es sicher blöd wäre, wenn er wirklich liefe. Die Karten kamen und in angemessener Zeit konnten die Bestellungen für die Getränke und das Essen (wie immer Vorspeise und Hauptgericht) abgegeben werden. Das Timing des Abends konnte als gut zusammengefasst werden: keine übermäßige Wartezeiten, aber auch kein Gedrängel am Tisch. Nur bei der Zubereitung von Mischgetränken muss wohl noch ein wenig geübt werden. Standards und Flaschenware kamen formvollendet an den Tisch. Ich war dabei etwas in Experimentierlaune und genoss mein mir neues Getränk mit einem herrlichen Blick auf den Turm der Konzertkirche, der immer noch von einer, mir nicht sichtbaren Abendsonne beschienen wurde. 

Die Vorspeise bekam dann auch ihren Auftritt. Zwei Suppen und ein paar Scheiben Bruscetta erschienen in Servicebegleitung am Tisch. Während die Spargel- (es gab eine Extra-Spargelkarte) und die Tomaten-Papaya-Suppe durchaus mundeten, waren die italienischen Brotscheiben nur ein müder Abklatsch ihres Vorbildes, obwohl sie recht ansprechend, vielleicht etwas überladen aussahen. Aber beim „frisch gerösteten Baguettebrot“ stimmten alle drei Worte nicht. Es schmeckte alt, unter „geröstet“ verstehe ich auch etwas mehr als nur angetrocknet und das Baguettebrot ist vielleicht unter dem Namen gekauft worden, war aber dann eher ein deutsches Baguette, also eher ein Kaviarbrot oder ein in Scheiben geschnittenes Brötchen. Die gehackten Tomaten oben drauf waren süß (Zucker und Salz verwechselt?), das Knoblaucharoma fehlte völlig. Das habe ich beim Italiener schon mal besser gegessen.

Den Hauptgerichten zu eigen war eine angenehme Größe der Portionen. Ob das der gewählten Vorspeise anzurechnen ist oder eher ein Zufall war, lässt sich nach einem einmaligen Besuch nicht einschätzen. Die Portionsgrößen an den anderen einsehbaren Tischen war schon mächtiger, aber es waren auch andere Gerichte. Auf der Karte steht auch ein Ribeye Dry Aged, was ich sehr verlockend finde. Da es aber auch das teuerste Gericht der Karte ist, muss die Küche erstmal zeigen, was sie kann, und so landeten drei andere Gerichte gut untertellert auf dem Tisch: Kalbsleber „Venezianische Art“, auf der Haut gebratenes Zanderfilet und (von der Spargelkarte) Schweineschnitzel an frischem Spargel.

Wer irgendwann mal in Schule, Ausbildung oder Studium mit den Grundlagen der Elektronik zu tun hatte und sich dunkel an den Aufbau von Transistoren erinnert, wird NPN- und PNP-Transistoren zumindest als schon mal gehörte Begriffe wiedererkennen. PNP steht in der Kulinarik aber auch für eine besondere Art von Schnitzel: Paniermehl-Nichts-Paniermehl. Warum ich darauf komme? Ich weiß auch nicht. Aber auf die Idee, aus dem Schweinefilet ein Schnitzel zu machen, muss man erstmal kommen. Warum aber auch nicht, man kann auch edles Rinderfilet häckseln, in Soße ertränken und es Bœuf Stroganoff nennen. Das themenauslösende Schnitzel zeichnete sich durch eine carpacciohafte Dünne aus, dessen Panierung eine industrielle Herstellung nahelegte, was enttäuschte. Über die als „Bratkartoffeln“ bezeichnete Beilage schweigt des Kritikers Höflichkeit, ebenso über die allgemeine Trockenheit des Gerichtetes, die sich in der nachträglichen Auswertung des Essens als Missverständnis bzw. Kommunikationsfehler zwischen Gast und Service herausstellte. 

Ob die venezianische Kalbsleber mit ihren Begleitern gut aussah und schön angerichtet war, kann leider nicht beschrieben werden. Zum Zeitpunkt des Servierens hatte die Abendsonne eine Stelle erreicht, die zwar immer noch den Turm der Konzertkirche beleuchtete, mir aber direkt in die Augen schien. So nahm ich das Bild auf dem Teller nur schemenhaft war. Aber wir haben ja durch diverse Berichte aus dunklen Restaurants gelernt, dass ein Nichtsehen des Essens die Konzentration der Sinne auf Geruch und Geschmack bedeutet. So war relativ einfach festzustellen, dass die beigelegten Zwiebeln wirklich mit Marsala zubereitet waren. Nur der namensgebende Knoblauch im Knoblauch-Kräuter-Pürree war sehr dezent. Was dem Püree als solchem übrigens nicht zum Nachteil gereichte, das war auch ohne sehr lecker und erfreulich selbstgemacht. Die Leber war auf den Punkt gegart, saftig, aber nicht „rare“, mit einem Wort: superlecker. 

Dezent gewürzt scheint so ein wenig ein Grundkonzept zur Zeit in Neubrandenburg zu sein. An einigen Stellen hierorts werden an sich leckere Speisen angeboten, deren Würzung auf unterstem Level angesiedelt ist. Oder ist Salz oder Chili mittlerweile so teuer, dass man es nur noch wenig einsetzen kann, wenn man die Preise nicht erhöhen will? Das gute ist nur, dass man zumindest nachsalzen kann, wenn denn Salz zur Verfügung steht. Im Imbissbereich sieht das meist schwierig aus, im Restaurant steht eine entsprechende Menagerie auf dem Tisch. So konnte ein wenig nachgeholfen werden. Aber ins Innerste geht die Würzung dann auch nicht mehr. Was soll uns diese Philosophiererei sagen? Am Zander fehlte mindestens Salz. Weitere Details sind mir nicht mehr erinnerlich, die Begeisterung über das Essen hielt sich in Grenzen. 

Fassen wir zusammen: Eine ambitionierte Karte in einem angenehmen Restaurant, deren Umsetzung auf dem Geschirr noch etwas Luft nach oben lässt. Das Dry Aged Ribeye-Steak werde ich dort vorerst nicht bestellen, das Risiko ist mir zu groß, dass ich viel Geld für ein nicht perfekt zubereitetes Gericht ausgebe. Aber es lohnt sicher, „Das Krauthof“ öfter mal zu besuchen und die Entwicklung zu verfolgen. Immerhin ist es noch nicht so lange offen, da läuft sich sicher noch was ein. 

Warum Lieferdienste immer schlechter werden

Die Frage an sich ist eigentlich schon eine Zumutung, oder eine Frechheit, wie man auch immer mag. Auch und vor allem in ihrer Pauschalität kann sie nur falsch beantwortet werden. Und die Stichprobenlage ist eigentlich auch viel zu dünn für eine halbwegs belastbare Aussage. Also nehmen wir die Frage erst mal auseinander.

Wie komme ich dazu, diese Frage überhaupt zu stellen, gehören doch Lieferdienste und die von ihnen angebotenen Speisen nicht zu meinen bevorzugten Nahrungsmitteln. Ich sammle zwar zu Hause alle reinkommenden Menülisten, weiß aber nicht verbindlich, wann ich das letzte mal etwas bestellt habe. Anders sieht es auf Arbeit aus. Zwar steht unweit der Beschäftigungsstelle ein Einkaufscenter mit all seinen vielfältigen Möglichkeiten, aber es gibt einen Zeitpunkt, da hängen einem alle dortigen Anbieter zum Halse raus, man hat alles gegessen und will mal was anderes. Hier bietet sich die Chance für die hiesigen Lieferdienste, zumal man zusammen mit den Kollegen eine schöne Bestellung zusammen bekommt.

Hierher kommt also die dürftige Faktenlage. Etwa einmal im Monat lassen wir uns was bringen. Schätze ich mal. Vielleicht auch seltener. Was dabei auffällt: Wirklich gut ist das Essen noch nie gewesen, aber es wird immer schlechter. Und das kann man bei der Auswahl der Stichproben pauschal sagen. Die Antwort auf meine obige Frage ist eigentlich genauso einfach wie pauschal: Die Kosten steigen, aber können nicht direkt auf die Preise umgelegt werden, weil dann – wird befürchtet – weniger Bestellungen eingehen. Also muss anderswo gespart werden. Personell ist, zumindest offiziell, eine untere Grenze mit dem Mindestlohn gesetzt, es bleiben also nur die Rohstoffe. Das merkt man den Endprodukten aber auch an. Was auch die Bestellzahlen nach unten gehen lässt. Zumindest bei uns. Mit jeder Essenslieferung in unterirdischer Qualität wird der Anbieter aus dem Portfolio gestrichen. Es gibt m.E. nur noch ein oder zwei Anbieter, bei denen wir überhaupt bestellen.

Warum liefern die Dienste so ein schlechtes Essen eigentlich überhaupt aus? Einen Grund habe ich schon genannt. Bevor ich zu einem anderen komme, stellt sich die Teilfrage: Was ist überhaupt „schlecht“ in diesem Zusammenhang? Schwierig, das genau zu definieren. Ein wesentlicher Teil der Bewertung ist, dass das gelieferte Produkt nicht den Erwartungen entspricht, diese unterbietet (es mag ja auch mal was besser sein, als man es erwartet). Die Erwartungen sind aber bei jedem anders. Deswegen orientieren wir uns mal bei gängigen, einschlägigen Standards. Pommes sind frittierte Kartoffelstäbchen, außen knusprig, leicht salzig und innen zart. Um mal ein Beispiel zu geben. Ähnlich ließen sich Röstiecken, Kroketten, Schnitzel, Chicken Wings, Pizza u.ä. definieren (wobei es bei Pizza sicher zwei Grundvarianten gibt).

Kommen wir zur Hauptfrage zurück: Warum liefern Lieferdienste so schlechtes Essen? Die Frage beantwortet sich fast von allein, wenn man sie etwas anders formuliert und konkretisiert: Warum liefern Lieferdienste Speisen, die in abgeschlossenen Behältern nicht transportfähig sind? Typisches Beispiel sind die schon erwähnten Pommes. Die überstehen ja nicht mal den 5-Minuten-Weg aus dem Einkaufscenter ins Büro und sind dann labrig, matschig, weich. Und dann werden sie auf eine 15- bis 20-Minuten-Reise geschickt. Jede Sättigungsbeilage, die frisch aus dem Tiefkühler in die Fritteuse kommt und dann in der Plaste- oder Alu-Schale landet, kommt verdorben beim Kunden an. Matschig, feucht, fade. Selbst Bratkartoffeln sind nur noch ein Schatten ihrer selbst,  ein Abklatsch, ein wabbeliges Irgendwas. Bäääääh. Da kann jeder Lieferdienst ohne mobile Fritteuse im Lieferfahrzeug nur versagen.

Schnitzel sind ein anderen Thema. Normalerweise werden Schweinefleischscheiben paniert und in viel Bratfett gebraten. Bei den Schnitzeln, die man über die hiesigen Lieferdienste bekommt, stört mich noch nicht mal, dass sie meist in der Fritteuse zubereitet werden. Mich stört auch nicht, dass sie eine recht geschlossene Panierung aufweisen. Ich habe mal irgendwann für EiTV Fischstäbchen selber zubereitet. Wenn man das Mehl mit den Eiern vermischt, damit das Schnitzel ummantelt und das dann in die Semmelbrösel legt, bekommt man einen ähnlichen Überzug auch selber hin. Was mich stört, dass die knusprig ausgebackene Hülle beim Kunden als labriges und weiches irgendwas ankommt! Verstärkt wird mein Ekel nur noch dadurch, dass ich den Eindruck habe, dass das „Fleisch“ des Schnitzels die Anführungsstriche zu Recht trägt, kommt es doch sehr zusammengesetzt und gepresst einher.

Man nehme eine zweigeteilte Transportschale und versuche, Schnitzel, frittiertes Kartoffelprodukt und Soße (Pilzsoße, Zigeunersoße, …) unterzubringen. Egal, wie man versucht, dieses Essen in die Schale zu bekommen, das Essen und damit der Kunde können nur verlieren. Röstiecken zusammen mit dem Schnitzel in einem Fach und die Soße im anderen? Die Röstiecken, an sich eine leckere Sache, sind matschig, das Schnitzel beschrieb ich schon und die Soße? Sie entsprach auch nicht den Erwartungen, wobei ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob sie besser oder schlechter als erwartet war.

Alles, was irgendwie ein gewisses Maß an Knusprigkeit haben sollte, verbietet sich eigentlich als Produkt, dass heiß und dampfend vom Lieferdienst gebracht werden kann. Aufläufe geh’n, Reis- und Nudelgerichte auch (wenn man das mit dem ál dente in den Griff bekommt), Salzkartoffeln, Stampfkartoffeln (aber bitte aus frischen Kartoffeln ohne Pürierstab erstellt!), selbst Fladenbrot sind gut (wobei ich bei Brot/Brötchen einen eigenwilligen Geschmack habe). Alles frittierte geht NICHT! Das sollte man den Betreibern mal ins Stammbuch schreiben. Dafür können sie ja mal Bulgur oder Polenta anbieten. Oder einfach mal eine Speise, die keine Sättigungsbeilage braucht. Statt dessen wird dem Kunden das übliche Einerlei vorgesetzt und ich fürchte, er bestellt es nicht nur, sondern verlangt es auch.

Man könnte jetzt auch noch über Werbung und Wirklichkeit schwadronieren. In der schönen neuen App-Welt tummeln sich Anbieter, die für nicht unwesentliche Prozente am Umsatz Essenbestellungen vermitteln und einige Lieferdienste der Region zusammenfassen. Aber wenn Lieferfahrer dringend darum bitten, nicht über die App bzw. die Webseite sondern per Telefon zu bestellen, stimmt doch auch wieder etwas nicht. Laut App-Werbung kann man ja auch italienisches oder fernöstliches Essen per App bestellen. In irgendeiner Großstadt vielleicht, aber hier??? Hier gibt es nur Convenience unterschiedlichster Qualität, deren Frischeindex nur durch die Beigabe vom Eisbergsalat-Tomate-Gurke-Dreierlei erhöht wird, wo mir der alte Witz einfällt:

Wasser hat 5 Aggregatzustände (oder auch 6):

  1. Fest (Eis)
  2. Flüssig (Wasser)
  3. Gasförmig (Dampf)
  4. Plasma
  5. Schnittfest (Tomate)
  6. Knackig (Eisbergsalat)

Ein Lieferdienst brachte beispielsweise immer recht gutes Bauernfrühstück, in der Packung befand sich aber auch der Salat. Der war nach dem Transport so heiß, dass man sich am Eisbergsalat fast auch die Zunge verbrühen konnte. Knackig war er übrigens trotzdem. Nachdem der Lieferdienst dann mal zwei halbrohe Cordon bleu brachte, flog er aus der Liste der nutzbaren Dienste.

Okay, genug gelästert. Ein paar schreckliche Anekdoten würden mir zwar noch einfallen, aber ich lasse es. Hier in der Provinz ist eben per Lieferdienst kein gutes Essen zu bekommen. Damit muss man leben.

Lecker aus dem Fahrradkeller

Da glaubt man, eine gute Idee zu haben, und im Nachhinein ist sie doch etwas überlegenswert. Oder es mangelte nur ein wenig an der Ausführung in der besonderen Situation. Na, hinterher ist man immer schlauer. Deswegen bitte nicht wundern, dass die Aufnahme diesmal etwas halliger klingt als sonst. Aber wenn man mit ungewohnter Technik arbeitet …

Eine der zu Grunde liegenden Ideen war, dass wir bei unserem kleinen Restauranttest unsere Eindrücke möglichst frisch in eine Audiodatei pressen, um es möglichst authentisch rüber zu bekommen. Angedacht war, dazu zu den Restaurantbesuchen ein Mikro mitzunehmen und gleich auf der Heimfahrt (aber nicht gleich in der Gaststätte!) ein lauschiges Plätzchen zu finden und die Bewertung aufzunehmen. Frisch vom Tisch also.

Aber vielleicht ist es doch besser, das Ereignis doch etwas sacken zu lassen, eine Nacht drüber zu schlafen (oder mehr) und dann etwas geläuterter darüber zu philosophieren, wie gut Vorspeise, Hauptgericht, Dessert, Kaffee und Service waren. In der Radiosendung und auch in unten anhängender Audiodatei (ist ja die gleiche Aufnahme, nur ohne Musik) befindet sich so ein frischer Eindruck. Zwischen abschließendem Bezahlen und Aufnehmen lag keine halbe Stunde.

Aber schon aus Sicht des Zeitpunktes der Niederschrift dieser Worte hat sich meine Meinung schon in einigen Punkten etwas relativiert. Was nicht heißen soll, dass meine unten zu hörenden Meinung falsch geworden ist, nur möchte ich – nicht mehr im Suppenkoma – einen Punkt etwas herausstellen, der zwar kurz erwähnt wird, dem ich aber als Kritikpunkt größere Bedeutung beimessen möchte. Die Portionsgröße. Ich weiß, es ist mein Lieblingsthema.

Punkt 1 (und das ist durchaus positiv vermerkt, weil es nicht selbstverständlich ist): Laut Speisekarte gibt es alle Speisen auch in einer „Seniorenportion“*. Leider habe ich keine gesehen, aber selbst, wenn man von 2/3 der normalen Portionsgröße ausgeht, vermute ich selbst hier eine Übergröße.

Punkt 2: DIE PORTIONEN SIND (mal wieder) EIN ANSCHLAG AUF DIE GESUNDHEIT. Ein Bauarbeiter, der den ganzen Tag mit einer Schubkarre Zement in den 4. Stock karrt (ohne jede motorisierte Hilfe) verbraucht dabei nicht mehr Energie, als eine normale Portion liefert. Gerade auch bei Bratkartoffeln, was naturgemäß nicht die kalorienärmste Zubereitungsform der leckeren Knollen ist, sollte man auf eine bewusste Dosierung achten. Ich habe ca. die Hälfte von dem gegessen, was ich auf dem Teller hatte und die Portion, die wieder zurück in die Küche gegangen ist, wäre in einem halbwegs kalorienbewussten Restaurant auf 2 Tellern gelandet.

Aber genau das ist der Punkt, und deswegen soll diese Kritik auch nicht überbewertet werden, sondern als kleine Ergänzung zum Audiofile einfließen: Man muss ja einen Teller nicht leer essen. Sicher: Es ist schade um die wieder zurückgehenden und damit entsorgten Lebensmittel, aber irgendwie müssen wir die Wirte doch mal dazu bringen, endlich vernünftige Portionen auf die Teller zu bekommen. Die sollen lieber eine Dessertkarte (nicht nur eine Eiskarte) in ihr Portfolio mit aufnehmen, falls wider Erwarten doch mal jemand nicht satt geworden ist. Oder vielleicht kann man sich mal ein Nachschlag-System einfallen lassen? Oder dreht das „Senioren-Portion“-System doch einfach um. Bietet grundsätzlich kleinere, vernünftige Portionen an und gegen einen kleinen Aufpreis einen zusätzlichen Schlag mit auf den Teller.

So, nun zum Audio. Viel Spaß. 18

Weitere Infos zum Radhaus Jürgenstorf gibt es hier.

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*) Nebenbei bemerkt: An dieser Stelle schreibe ich mal einen Preis aus für einen sinnvollen neuen Begriff für „Seniorenportion“, weil dieser den Sinn nicht trifft. Stellt sich die provokante Frage, ob diese Portion minderdentalfreundlich püriert ist, oder geschmacksbeeinträchtigt überwürzt? Oder eben einfach nur kleiner, was gemeinhin damit verbunden wird. Aber auch als Nicht-Senior möchte man manchmal nicht so viel essen und eine kleinere Portion bestellen …

Lauter Feiertag(e)

Nicht wirklich schön ist, wenn ein gesetzlicher Feiertag auf einen Sonntag fällt. Das ist Verschwendung. Aber es gibt da Feiertage, die von einigen Leuten freundlich ignoriert werden. Sportler zum Beispiel. Die Kämpfen auch an Feiertagen miteinander (oder gegeneinander). Das mag ja noch angehen. Zumal man als Zuschauer hinreichend Zeit hat, sich das kostenpflichtig anzusehen. Aber ob an einem solchen Ruhetagsdoppel wirklich jemand mit einem lauten Krangetier neben einem gastlichen Ort die Straße hoch und runter fahren muss, blieb an diesem Tag ungeklärt. Das Essen schmeckte trotzdem.

Nach der wohlwollenden Betrachtung eines Fußballspiels der Kreisliga und der spontanen Idee, doch noch ein Abendbrot zu sich zu nehmen, kehrten mehr oder weniger hungrige Menschen in ein Gasthaus am Heimweg ein und bestellten Atzung. Was dabei passierte (und was nicht), ist in nachfolgender Audiodatei ausführlich zu hören.

Link

Bohlen satt, ohne Dieter

Eigentlich müsste ich diesen Artikel im Blocksatz schreiben; das steht zumindest auf meinem Notizblock. Auf dem Zettelblock, der die Todo-Liste ersetzt, stand der Name und der Ort schon länger, aber man muss seinen Wohnblock schon mal verlassen, um überhaupt da hinzukommen, wo es Speisen zum Essen gibt. Blockt deshalb nicht ab und lest, wie es uns ergangen ist, als wir – leicht durchgefroren – von der Betrachtung eines Fußballspiels mehr Überraschungen im Anschluss erfuhren als beim Match. Wobei Matsch eine kleine, nicht weiter erwähnte Nebenrolle spielte. Aber das nur nebenbei.

Da ich mich mit Fußball nachgewiesenerweise nicht auskenne, fiel mir in dem Zusammenhang kein naheliegendes Wortspiel mit „block“ ein, was – und damit hört die Formulierungsfraktur auch auf – zu einem ungewohnt direkten Weg zum Essen führt. Verbunden mit dem sportbetrachtenden Ausflug wurde also mal wieder gegessen und der Weg führte ins naheliegende Umfeld. Dort war mir durch Vorbeifahrt schon einige Male ein interessantes Gebäude aufgefallen, das zur Einkehr einlud. Ein Blick auf die Online-Speisekarte und ein kleines vorauseilendes Image versprachen einen angenehmen Abend, da es hinterher doch einiges zum Lästern geben würde.

Aber der Reihe nach. Die Anreise erfolgt problemlos und auch Orientierungslegastheniker im Straßenverkehr sollten hinfinden, da eine Bundesstraße direkt an vorbei führt. Die kleine Kunst ist der perfekte Ort zum Verlassen der B-Straße, aber auch hier helfen Schilder und leiten auf einen hinreichend großen Parkplatz, der erst zu klein werden würde, wenn jeder einzelne Stuhl im Gastraum durch einen Alleinfahrer besetzt werden würde. Die Speisekarte ist unaufgeregt übersichtlich: klassische Vorspeisen, Hauptspeisen mit Burgern (auch vegetarisch), Mecklenburger Klassikern, Fisch, Schnitzel, Steak, Hähnchenbrust, ein paar Eisbecher, Kuchen, Getränke. Eigentlich – was das Essen betrifft – alles, was man auch anderswo findet, weil es irgendwo einen Convenience-Hersteller gibt, dass das in der Gasthaus-Küche nur noch aufgewärmt und angerichtet werden muss … Ihr kennt solche Läden.

Wusstet Ihr eigentlich, dass man Würzfleisch auch selber herstellen kann und nicht aus Glas, Dose oder Tetrapack nehmen muss? Die „kleine“ Vorspeise, die – ergänzt durch einen ordentlichen Salat – durchaus auch eine kleine Hauptspeise hätte sein können, kam gewohnt käseüberbacken, toastbeigelegt und worcestersaucenbegleitet auf den Tisch. Rückblickend würde ich behaupten, dass das Würzfleisch etwas mit dem im weiteren Verlauf verspeisten Brathering (sauer eingelegt) gemeinsam hat: sollten sie nicht selbst hergestellt worden sein, kommen die beiden von einem vermutlich handwerklich arbeitenden Erzeuger und sind gut ausgewählt. Ich habe schon Ragout fin oder Würzfleisch namenloser und namhafter Hersteller gegessen; alle haben gegenüber dem hier besprochenen versagt. Letztendlich stört auch nicht, dass die Worcestersauce die falsche war, aber das sind persönliche Geschmäcker. 😉

Nach geltenden Bestimmungen ist zum Beispiel ein „Wiener Schnitzel“ in Form und Zusammensetzung klar definiert: ein dünn geschnittenes ausgeklopftes Kalbsschnitzel, in Mehl, Ei und Brösel paniert und in viel Butterschmalz gebraten. Wird ein Schweineschnitzel paniert, darf man es höchstens „Wiener Art“ nennen. Leider gibt es solche Regeln nicht für alle Standards. Zumal es für manche Gerichte auch keine Standards gibt. Soljanka ist da ein gutes Beispiel. Selbst in der Herkunftsregion findet man in jedem Haushalt ein anderes, wirklich einzig wahres Rezept. Aber selbst unter Berücksichtigung dieses Gesichtspunktes muss man leider sagen, dass das, was da als Soljanka angeboten ist, keine Soljanka ist. Wobei sich die Kritik nicht auf die Qualität der „Suppe“ bezieht. Die ist durchaus wohlschmeckend, vollfleischig, tomatig, aromatisch, lecker. Nur eben keine Soljanka. Es war wohl nur etwas viel Raucharoma (BBQ-Soße?) drin. Übrigens: multifunktional ist sie auch. Ihre Qualität findet sich beim Zigeunertoast wieder, einer Kreation aus Toastbrot, mit einer Masse belegt, die gut die Soljanka in streichfähig sein könnte, und mit Käse überbacken. Lecker.

Steak zubereiten ist eine kleine Kunst, ein Können, das nicht jedem gegeben ist. Große Hitze, kurz eingewirkt, für die Kruste und wenig Hitze zum Punktgaren, dann wird es richtig gut. Vor allem, wenn man einen guten Fleischlieferanten hat (was prinzipiell gegeben ist, wobei ich noch nicht aus eigener Erfahrung weiß, ob der Fleischer wirklich gutes Steakfleisch produzieren kann, andere Produkte sind aber sehr gut). Das Fleisch war wie bestellt medium, aber es hätte durchaus noch etwas besser zubereitet sein können. Die Bratkartoffeln waren selbst gemacht und die Küche gab den Kartoffeln die Möglichkeit, ihr eigenes Aroma möglichst ungestört zu entfalten … Natürlich kann man das Würzen mal vergessen; wir unterstellen dies mal als der Hektik geschuldete Ausnahme und nicht als Regel. Dafür war die Hollandaise auf dem TK-Gemüse (es ist Winter, was soll’s?!) sehr dicht an selbst aufgeschlagen, was wir mal unterstellt haben.

Das Servicedrumrum sei auch noch schnell geklärt: Sonderwünsche wurden erfüllt, der Espresso kam mit Wasser, der Cappuccino war lecker, nur einmal wurde ein fehlendes Besteck nicht bemerkt; das war mit dem Vorspeisenteller verschwunden. Die Rechnung wurde sauber und ohne Nachfragen auf die Gäste aufgeteilt. Und dass wir überhaupt einen Platz und was zu Essen bekamen, obwohl alles für diverse Familien- und verspätete Weihnachtsfeiern (ja wirklich) reserviert war, ist auch dem guten Service zu verdanken.

Zusammenfassend kann man sagen, dass im Blockhaus Boldekow eine ehrliche, gute Küche geboten wird, die zwar noch ein bisschen Luft nach oben lässt, aber auf einem guten, unerwarteten Weg ist. Es wird auch jeder satt (positive Formulierung für: für die meisten könnte die Portion zu groß sein). Das Ambiente – das Blockhaus ist wirklich aus Bohlen zusammengesetzt, was man nicht nur außen sieht, sondern auch innen spürt – ist angenehm rustikal und gemütlich. Ein bisschen ist es schade, dass es noch so neu und ordentlich aussieht, aber der Charakter kommt sicher noch. 😉