Ist denn noch Sommerloch oder ist die Tendenz, Keile zwischen Menschen zu treiben, ein journalistische Grundübung, genau wie der Aufbau von Konflikten oder unterschieden, wo eigentlich keine sind. Mir geht da das Wort von Volker Pispers von den „journalistischen Hirnzwergen“ durch den Kopf, denen er damals vorwarf, bei Abstimmungen ohne Auswahl von Wahl, bei entsprechenden Veranstaltungen mit Auswahl von Kampfkandidaturen zu reden.
Im Zweikampf befinden sich immer mal wieder zwei Gerichte, die zudem geeignet erscheinen, besagten Keil zwischen Ost und West zu treiben. Dass die dann noch unter edel vs. billig kämpfen können, wird bei der Gelegenheit auch gleich noch thematisiert, zumal die entsprechende Zuordnung auch noch passt wie die Hollandaise zum Spargel. Und das nur, weil die zwei völlig unterschiedlichen Gerichte zufällig den gleichen Namen haben, der sich aber in beiden Fällen von ihren Zutaten (genauso unterschiedlich) ableiten lässt. Aber, das sei auch versöhnend erwähnt: sie haben beide den gleichen Fehler im Konzept, weil bei beiden ein Zubereitungsschritt sehr ähnlich ist und dann das Anrichten den Fehler verursacht, indem es diesen Zubereitungsschritt konterkariert.
Eigentlich müssten die Gerichte formal nicht gleich heißen, aber die wortzusammenziehende Sprachökonomie dann doch dazu geführt. Das eine ist ein XY nach Z-Art, das andere lässt sich nicht so einfach aufdröseln, zumal eine Tätigkeit auch noch zu dem, der sie ausführt, umgewandelt wird. Weiter unten erkläre ich noch, was ich hier im (viel zu langen) Teasing eigentlich meine. Im Vergleich zu anderen Namensähnlichkeiten ist die hier besprochene nicht beabsichtigt. Es ist also nicht so wie bspw. bei der Sauce Hollandaise, bei der einerseits eine aromagebende Reduktion aus Wein und Kräutern mit Eigelb über Wasserbad zu einer schaumigen Creme aufgeschlagen und dann mit flüssiger Butter unter ständigem Rühren zur Soße entwickelt wird. Andererseits gibt’s unter gleichem Namen Produkte im Handel, die grundsätzlich eigentlich eine verdünnte und dann wieder angedickte Majonäse (Öl und Eigelb) sind, die dann mit Säure und Buttersäurearomen eine Nachahmung simulieren. So ist das bei unserem Streitgericht nicht.
Es geht ums Jägerschnitzel, oder eben um das Schnitzel nach Jägerart und das Jagdwurstschnitzel. Einerseits reden wir also von einem panierten klassischen Schnitzel, das mittels einer Pilzsahne-, Pilzcreme- oder anderen pilzhaltigen Soße zum Jägerschnitzel wird. Edel und fein. Eher rustikal kommt die ebenfalls panierte und gebratenfrittierte Jagdwurstscheibe daher, die damit schon allein das Jägerschnitzel (Jagd -> Jäger) darstellt. Spätestens auch bei den Beilagen wird deutlich, dass das eine Gericht kein Abklatsch des anderen sein, gibt’s doch zu einem meist eine kartoffelige „Sättigungsbeilage“ und idealerweise noch etwas Salat, während beim anderen Spirellinudeln und Tomatensauce Standard sind. Also zwei völlig unterschiedliche Gerichte, die nix miteinander zu tun haben, nur eben in der Verkürzung den gleichen Namen. Und dass diese Verkürzungen öfter zu Irritationen führen können, sehen wir bspw. beim Zweikampf Sellerieschnitzel vs. Paprikaschnitzel. Ersteres ist eine Scheibe Sellerie, paniert und gebraten, letzteres ein klassisches Schnitzel mit einer Paprikasoße.
Zur Versöhnung noch der gemeinsame Fehler der beiden Jägerschnitzel. Noch nicht falsch, aber gleich, ist, dass es sich um panierte Scheiben von etwas handelt, die dann in tiefen Fett „ausgebacken“ oder (s.o.) bratfrittiert werden. Neben Wohlgeschmack ist hier auch eine knusprige Hülle das Ziel. Auf dem Teller wird dann aber diese mit Aufwand, Geschick und Kochkunst erzeugte Eigenschaft der Panade durch den Kontakt mit der Soße aufgeweicht und damit zerstört. Frevel! Achja, und der auslösende, wenn auch bei weitem nicht einzige dämliche Beitrag zum Thema.
Sonntagmittag
Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich nebenher auch noch zwei Sendungen bei einem Radiosender mache? Mediatop Radio ist der Sender, ein Offener Kanal im Osten Mecklenburg-Vorpommerns. Und da gibt es auch noch diverse andere Sendungen, wie zum Beispiel eine mit dem Titel „Von der Peene bis nach Texas“. Irgendwie löste dieser Sendungstitel etwas bei mir aus: Der Fluss steht natürlich für Fisch, und Texas für Tex-Mex-Küche wie Chili con carne. Der Rest folgte zwangsläufig. Um die Selbstkritik am Gericht gleich mal vorweg zu nehmen: Es empfiehlt sich, einen festkochenden Fisch zu kaufen. Leider gab es eine Diskrepanz zwischen der Liste und dem Freitagabend beim Einkaufen verfügbaren Fische. Aber wenn man vorsichtig rührt, geht’s. Aber ich greife vor.
Das Problem bei diesem Rezept frei Schnauze nach eigener Idee ist, dass die ursprüngliche Hauptzutat, die als erstes in die Pfanne kommt, nicht mehr mit dabei ist. Also muss man anders anfangen und dabei das „Chili con …“ weit auslegen. Immerhin sind solche Beigaben wie Mais u.ä. auch nicht original sondern kamen wohl über den Umweg Europa ins Gericht. Ganz ursprünglich war Chili con carne genau das: Chili und Trockenfleisch (und natürlich Wasser). Selbst die Bohnen kamen irgendwann erst später dazu. Heutiges Hauptkriterium scheint die Schärfe des Gerichtes dank Chilizugabe zu sein. Der Rest ist variabel.
Bevor die Zubereitung los ging, habe ich spaßeshalber mal den ausgedachten Namen mal gesuchmaschinet und war ein wenig enttäuscht. Mist, das gibt’s schon. Zwei Varianten habe ich mir genauer angesehen, wobei eine son ein bisschen in meine Richtung ging. Das andere war – ehrlich gesagt – einfach nur schrecklich. So wie sich das las, hätte mir das Endergebnis definitiv nicht geschmeckt. Ich erspare die Enthüllung, den Link dahin hatte ich mir sowieso nicht gespeichert. 😉
Wie viele gute Gerichte fängt auch dieses mit dem andünsten von Zwiebeln an. Vielleicht etwas viel Zwiebel, aber ich hatte nur eine große Gemüsezwiebel im Haus …
Anbräunen soll sich eigentlich nichts, aber wenn doch, ist es wahrscheinlich auch nicht schlimm. In das Bratfett (=Butter mit Öl) gab ich auch gleich noch etwas Salz und bei mittlerer Hitze schmurgelte das sanft vor sich hin. Zeit, um Wasser für den Reis zum Kochen zu bringen und Chili zu schneiden.
Paprika ist wohl, wenn ich mich richtig erinnere, keine eigene botanische Klasse, auch sie gehören zu den Chilis, wenn auch gaaaaaaanz mild. Damit wenigstens die Form stimmt, habe ich je eine rote und eine gelbe Spitzpaprika genommen. Etwas frischer Chili und etwas geräucherter kamen auch noch mit dazu. Weiter anschwitzen.
Das durcheinander ist noch etwas trocken, deswegen kamen noch zwei kleingeschnittene Tomaten dazu,
Untergerührt und gut bedeckelt köchelte das eine gute Viertelstunde vor sich hin. Wider Erwarten kam diesmal nicht viel Flüssigkeit zusammen, deswegen half ich zwischendurch mit etwas Tomatensaft nach. Am Ende sah das dann so aus und köchelte.
Zeit für die Bohnen. Die wurden aus der Dose befreit und mit dazu gegeben.
Zwei Fischfilets (ich verschweige die Art, es ist sowieso die falsche, s.o.) habe ich in Häppchen geschnitten und dann oben aufgelegt. Idealerweise ist vorher der Pfanneninhalt schon final abgeschmeckt.
Ein wenig rütteln an der Pfanne ließ den Fisch einsinken, ein Deckel beschleunigte das Garen von oben.
Das dauert dann nur wenige Minuten. Zum Schluss – der Reis sollte langsam fertig sein – wird nochmal vorsichtig umgerührt und es könnte angerichtet werden.
Ein paar Taccos dazu, wäre auch eine Idee … Aber wozu hätte ich dann den Reis gemacht?
Sehr zart war der Fisch, er fiel förmlich auseinander. Deswegen: festkochender Fisch!
Das ganze hat orgentlich Pfiff gehabt und heizte auch gut durch. Aber da hat jeder seine eigenen Grenzen, insofern sei die Chilidosierung jedem Selbst überlassen.
Ein schönes flaches Fladenbrot wäre die passendere Beilage gewesen, aber der Reis ging auch. Vielleicht auch eine kleine Pasta … Ja, auch die Kartoffel hätte gepasst, kommt sie doch großräumig aus der gleichen Gegend. Und als Getränk dazu vielleicht etwas aus der südosteuropäischen Küche: Ayran. Oder was anderes mit Joghurt oder Milch, als wirksame Löschung des Chilibrandes …







































































